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Wirecard: Bilanzskandal und Börsenkrimi

Der deutsche Zahlungsdienstleister Wirecard mit Sitz in Aschheim hat für den größten deutschen Bilanzskandal der Geschichte gesorgt. Jahrelang wurde die Bilanz gefälscht, 1,9 Milliarden Euro wurden auf philippinischen Konten ausgewiesen, die, wie sich herausgestellt hat, nicht bestehen. 

Nachdem die Financial Times Anfang 2019 erstmals Vorwürfe hinsichtlich der Bilanzierung bei Wirecard äußerte, brach der Kurs erstmals ein. Ich entschloss mich dazu, mir 10 Wirecard Aktien zu einem Kurs von 99€ pro Aktie ins Depot zu legen in dem Glauben, an den Behauptungen der FT sei nicht viel dran. In den folgenden zwei Jahren, in denen ich die Wirecard Aktie hielt, war es ein ständiges Auf und Ab. Einige Wochen nach den Vorwürfen stieg der Kurs auf 160€. Ich hatte einen Kursgewinn von 60 % innerhalb weniger Wochen. Dennoch dachte ich nicht daran die Aktie zu verkaufen, da ich sie in der Absicht gekauft hatte, sie auf lange Sicht zu halten. Wirecard galt als das Vorzeige-Fintechunternehmen aus Deutschland mit starken Wachstumszahlen und Margen.

Innerhalb der zwei Jahre kamen immer wieder neue Vorwürfe auf, die den Wert enorm volatil machten. An einen Verkauf dachte ich dennoch nie. Die Schwankungen ließen mich kalt. Als dann der Prüfbericht von Ernst & Young veröffentlicht werden sollte, dachte ich jetzt werden die Vorwürfe gegen Wirecard widerlegt. Dem war nicht so. Nachdem die erste Veröffentlichung verschoben wurde, legte die verschobene Veröffentlichung dar, dass die den jahrelangen Vorwürfen zutreffen. Der Kurs rutschte innerhalb eines Tages um 70 % nach unten. Es entwickelte sich ein wahrer Krimi. Mittlerweile hat Wirecard Insolvenz angemeldet. Der Ex-CEO Markus Braun wurde verhaftet und für eine Kaution in Höhe von 5 Millionen Euro aus der Untersuchungshaft entlassen. Der Ex-Vorstand Jan Marsalek, der für das Tagesgeschäft bei Wirecard verantwortlich war, ist auf der Flucht. Nach ihm wird gefahndet. 

Der Kurs ist bei unter 3€ angekommen. Ich halte die Aktie noch immer. Verkaufen werde ich sie nicht, sie bleibt als Mahnmal in meinem Depot. Gelernt habe ich aus dem Skandal, dass wenn gegenüber einem Unternehmen in Zukunft ähnliche Vorwürfe erhoben werden, ich von dem Unternehmen Abstand nehmen werde. Was ich anhand der Wirecard Aktie an Erfahrungen gewonnen und erlebt habe ist enorm. 

 

Was in meinen Augen jedoch ein mindestens genauso großer Skandal neben den Verbrechen von Wirecard ist, ist das Verhalten der Bafin. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist in erster Linie dafür da, um ein vertrauenswürdiges und stabiles Finanzsystem in Deutschland zu gewährleisten. Das unter der Aufsicht der Bafin ein Dax-Unternehmen über Jahre hinweg seine Bilanzen fälschen und alle Anleger täuschen kann, wirft ein schlechtes Licht nicht nur auf den deutschen Aktienmarkt, sondern auch auf das Vertrauen in deutsche Behörden.

Der Fall Wirecard hat definitiv der Aktienkultur in Deutschland geschadet und dafür gesorgt, dass einige dem Aktienmarkt den Rücken kehren. Das ist jedoch eine falsche Entscheidung. Solche Fälle kommen vereinzelt vor (Bsp. Steinhoff), bilden jedoch eine große Ausnahme. Sich aufgrund eines riesigen Skandals, den selbst deutsche Behörden bis zuletzt nicht haben feststellen können, vom Aktienmarkt abzuwenden, ist ein Fehler im Hinblick auf seine Geldanlage. 

Es bleibt zu hoffen, dass aus dem Fall Wirecard die richtigen Lehren gezogen und die Fehler bei den Behörden aufgearbeitet werden, damit so etwas in Zukunft so gut es geht vermieden wird. Bei mir persönlich hat sich an meiner Einstellung dadurch nichts geändert. Ich habe eine Menge durch mein Investment in Wirecard gelernt und ziehe entsprechende Schlüsse für meine zukünftigen Investments.

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