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Ich habe 10.000€ Schulden!

 

Ist die Überschrift korrekt?? Habe ich wirklich 10.000€ Schulden? Ich schreibe doch immer davon, Schulden zu vermeiden, sein Geld bewusst auszugeben und in Sachwerte wie Aktien zu investieren. Um es kurz zu fassen, ja es stimmt! 
Ich habe einen "Kredit" in Höhe von 10.000€ „aufgenommen“, den ich in den nächsten Jahren zurückzahlen muss. Worum es sich dabei genau handelt erfährst du in diesem Beitrag. 

Ziemlich widersprüchliches Verhalten von mir wirst du dir jetzt sicherlich denken. Auf der einen Seite für bewussten Konsum und die Vermeidung von Schulden werben und auf der anderen Seite selbst einen Kredit in Höhe von 10.000€ zurückzahlen müssen. 

Es ist ganz wichtig zwischen guten und schlechten Schulden zu unterscheiden. Nicht per se alle Verbindlichkeiten sind schlecht, einige sind sogar notwendig, um sich ein Vermögen aufzubauen. 
Definitiv zu den schlechten Schulden gehören Konsumverbindlichkeiten. Einen Kredit für ein neues Auto, Kleidung, Urlaube oder ähnliches aufzunehmen, ist einer der größten Fehler beim Vermögensaufbau. 

 

Man gibt Geld aus, das man nicht hat, um Dinge zu kaufen die man nicht braucht, um Leute zu beeindrucken, die man nicht mag. 


Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch „gute“ Schulden, die beim Vermögensaufbau hilfreich und für diesen essenziell sind. So verhält es sich beispielsweise mit der Aufnahme eines Kredits für den Kauf einer Immobilie als Kapitalanlage.
Man macht sich den Fremdkapitalhebel zu nutze, auch Leverageeffekt genannt. Das bedeutet, dass man beispielsweise eine Immobilie als Kapitalanlage erwirbt und zu den Kaufkosten beispielsweise nur 10%-20% Eigenkapital beisteuert. Den Rest des Kaufpreises finanziert die Bank. Dadurch hat man die Möglichkeit trotz geringen Eigenkapitals eine deutlich teurere Immobilie zu erwerben. Man hebelt sein Vermögen mit fremdem Kapital.


Es stellt sich nun die Frage, um was für Schulden es sich bei den von mir genannten 10.000€ handelt. 
Eine Immobilie habe ich bisher noch nicht gekauft, auch wenn ich definitiv Interesse daran habe und mich in Zukunft auch intensiver mit dem Thema beschäftigen werde.
Einen Konsumkredit um mir ein neues Auto oder einen tollen Urlaub zu gönnen, habe ich auch nicht aufgenommen. 

Bei meinen 10.000€ Schulden handelt es sich um Bafög-Schulden aus meinem Studium. 
Dabei handelt es sich um eine finanzielle staatliche Unterstützung für Auszubildende und Studenten. Vom ersten Semester an erhalten Studenten, die die Unterstützung beantragen, während der Regelstudienzeit (diese beträgt für den Studiengang Rechtswissenschaften 9 Semester) monatliche eine finanzielle Zuwendung. Dabei teilt sich die monatliche Zuwendung in einen staatlichen Darlehensanteil, der 5 Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer zurückgezahlt werden muss. Der andere Teil ist ein verlorener Zuschuss, was bedeutet, dass dieser nicht zurückzuzahlen ist. 

 

Das bedeutet beispielsweise bei einer monatlichen Zahlung von 300€, dass 150€ davon als verlorener Zuschuss nicht zurückgezahlt werden müssen und quasi geschenkt sind. Die anderen 150€, also der staatliche Darlehensanteil, muss 5 Jahre nach der Förderungshöchstdauer zurückgezahlt werden. Dabei ist die Darlehensschuld jedoch auf maximal 10.000€ beschränkt. Was das wiederum bedeutet, soll erneut ein Beispiel veranschaulichen:

Angenommen ich habe während meiner 9 Semester Regelstudienzeit insgesamt Zahlungen in Höhe von 24.000€ erhalten. Dann müsste grundsätzlich die Hälfte davon zurückgezahlt werden, da es sich bei der Hälfte ja um ein staatliches Darlehen handelt. Das bedeutet, dass 12.000€ zurückgezahlt werden müssten. An diesem Punkt kommt die Beschränkung auf 10.000€ zum greifen, sodass nicht 12.000€ zurückgezahlt werden müssen, sondern nur 10.000€.

Die Rückzahlung kann übrigens in vierteljährlichen Raten erfolgen, aber auch auf einen Schlag getilgt werden. Bei einer einmaligen Rückzahlung erhält man sogar noch einen Nachlass auf die Rückzahlungssumme.

 

Eine Frage bleibt aber weiterhin offen: Handelt es sich bei meinen Schulden nun um "gute" oder "schlechte" Schulden? Nun ja ich würde zunächst sagen, dass sie notwendig und unvermeidbar waren. Denn trotz sparsamem Lebensstils während des Studiums reicht ein Nebenjob einfach nicht aus. Zudem ist das Jura-Studium mit einem Vollzeitjob vergleichbar (jedenfalls wenn man es ernst nimmt, spätestens jedoch ab der Examensvorbereitung), sodass nicht viel Zeit für Nebentätigkeiten bleibt. 

Insofern sehe ich die 10.000€ keinesfalls als "schlechte" Schulden an, denn sie haben es mir ermöglicht, einen der schwierigsten und höchsten Studienabschlüsse des Landes zu erreichen, der mir beruflich viele Türen öffnet. 

 

 

 

Sind meine Schulden in deinen Augen "gute" oder "schlechte" Schulden?

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