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Zinseszins und exponentielles Wachstum

Große Vermögen können an der Börse mithilfe des Zinseszinses geschaffen werden. Dafür erforderlich ist jedoch eine Menge Zeit, Ausdauer und vor allem Disziplin. Es ist nicht immer leicht, seinem Weg treu zu bleiben und diesen konsequent zu befolgen. Oft stellt man das Konzept des Vermögensaufbaus an der Börse in Frage. Über viele Jahre hinweg macht sich der Zinseszinseffekt nicht bis kaum bemerkbar. Man beginnt zu zweifeln und fragt sich, ob es die richtige Entscheidung war, sein Geld an der Börse anzulegen. Nach einigen Jahren und Jahrzehnten macht sich der Zinseszins dann jedoch bemerkbar und entfaltet unaufhaltbar seine Macht. Viele Jahre wächst das Depot nur durch die eigene Sparleistung. Irgendwann ist dann jedoch der Zeitpunkt erreicht, an dem das Depot aus sich heraus wächst, ohne dass es zusätzlicher Investitionen bedarf. Die berüchtigte Lawine ist dann ins rollen geraten und nicht mehr aufzuhalten.

 

Einer der Gründe, weshalb das Durchhalten an der Börse über viele Jahre hinweg so schwer fällt, ist der, dass es uns schwer fällt exponentiell zu denken. Unser Gehirn ist darauf ausgerichtet, im Alltag linear zu denken, da wir von linearen Prozessen umgeben sind.

Eins und Eins macht Zwei. Eine weitere Einheit hinzuaddiert macht Drei usw. Dieses lineare Denken verbindet direkte Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung. 

 

Um erfolgreich zu sein, ist jedoch exponentielles Denken unvermeidbar. In unserer immer schnellebigeren Welt kommt man nicht mehr umhin, exponentiell zu denken. Das Verständnis von exponentiellem Wachstum stellt eine essentielle Grundlage für aktuelle und zukünftige Entwicklungen dar. Wenn man verstanden hat, wie exponentielles Wachstum funktioniert, erkennt man, dass über einen langen Anlagehorizont, der Zinseszins wahre Wunder bewirkt.

 

Um zu überprüfen, ob du bereits exponentiell denkst und ein Verständnis von exponentiellem Wachstum hast, gefällt mir ein kleines Rätsel, das ich gerne zur Veranschaulichung nutze:

 

Die Seerosen in einem Teich verdoppeln ihre Fläche jeden Tag. Nach 48 Tagen ist der See komplett mit Seerosen bedeckt. Wie lange hat es gedauert, bis der See zur Hälfte bedeckt war?

 

Die Mehrheit würde spontan mit 24 Tagen Antworten, was jedoch falsch wäre.

Die richtige Antwort lautet 47 Tage. Exponentielles Wachstum hat die Eigenschaft der konstanten Verdopplungszeit. In dem Rätsel braucht eine Verdopplung der Seerosen genau einen Tag. Das bedeutet, dass der See an Tag 47 zur Hälfte und einen Tag später, an Tag 48, aufgrund der Verdopplung, schließlich komplett bedeckt ist. 

Zu Beginn wirkt sich das Wachstum in absoluten Zahlen noch nicht so stark aus. Eine Rose am ersten Tag verdoppelt sich auf Zwei Rosen an Tag zwei und auf vier Rosen an Tag drei. Je mehr Zeit jedoch vergeht, desto größer wirkt sich das Wachstum auch in absoluten Zahlen aus. Von Tag 47 auf Tag 48 erfolgt dann in absoluten Zahlen gesehen der größte Zuwachs an Rosen auf dem See.

 

Genau wie bei den Rosen auf dem See ist es auch bei der Geldanlage. Die ersten Jahre bemerkt man den Zinseszins so gut wie gar nicht in seinem Depot. Häufig ist in den ersten Jahren die eigene Sparquote der größte Wachstumstreiber. Mit steigendem Vermögen macht die eigene Sparleistung jedoch einen immer kleineren Teil aus. Auch wenn man es schafft, sein Einkommen und seine Sparquote zu steigern, erreicht man irgendwann einen Punkt, an dem zusätzliche Investitionen nur noch einen Bruchteil des Vermögens ausmachen. 

Dennoch wird das Vermögen wie von Geisterhand weiter bemerkbar steigen. Der Zinseszins macht sich bemerkbar. Je länger er seine Kraft entfalten, umso stärker ist sein Effekt. 

 

Wer den Zinseszinseffekt verstanden hat und exponentiell denkt, dem fällt es leichter, stur und stetig regelmäßig zu investieren und die notwendige Ausdauer und Disziplin aufzubringen um vermögend zu werden.

 

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