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Sell in May and go away- but remember to come back in september

Der April ist nun wieder vorbei und mit Beginn des Mai musste ich an die Börsenweisheit beziehungsweise alt bekannte Regel „Sell in may an go away - but remember to come back in september“ denken. Es war eine der ersten Börsenregeln, von denen ich zu Beginn meines Investorenlebens gehört hatte. Persönlich habe ich diese allerdings noch nie befolgt geschweige denn überhaupt darüber nachgedacht einen Teil meiner Aktien zu verkaufen, um sie wenige Monate später zurückzukaufen.


Der Grund für die Börsenweisheit ist der, dass die Börse in der Vergangenheit in den Sommermonaten von Mai bis September des Öfteren geschwächelt hat. Nachdem die Anleger im März und April ihre Dividenden kassiert hatten, kehrten sie der Börse den Rücken, ehe sie im Herbst wieder in den Markt einstiegen. Entsprechend schwach lief die Börse in den Sommermonaten. Von Oktober bis April hingegen machte der Aktienmarkt dann eine überdurchschnittliche Rendite.
So kamen immer mehr Anleger auf die Idee, ihre Aktien im Mai zu verkaufen, über die Sommermonate mit Cash an der Seitenlinie zu stehen und im September wieder in den Aktienmarkt zu investieren. 

Ich persönlich betreibe einen langfristigen Buy&Hold Ansatz. Aktien die ich einmal gekauft habe behalte ich möglichst lang und möchte sie nicht wieder hergeben. Der Zinseszins soll größtmöglich zur Entfaltung kommen. Dies kann er nur, wenn ich meine Investitionen so lange wie möglich halte, ohne sie zwischendurch abzugeben. Niemals würde ich auf die Idee kommen, meine Aktien im Mai eines Jahres zu verkaufen, um sie im Herbst möglicherweise günstiger nachzukaufen. 


Hätte man im letzten Jahr beispielsweise nach dieser Weisheit gehandelt, wären einem im breiten Markt nahezu 20% an Rendite entgangen. Nach dem Corona-Crash im März 2020 kämpften sich die Aktienmärkte in den folgenden Monaten zurück und erreichten getrieben durch die Tech-Aktien, neue Höchststände. Wäre man im Mai 2020 ausgestiegen und im September wieder in den Markt gegangen, hätte man eine ordentliche Rendite auf der Strecke gelassen. Innerhalb der letzten zehn Jahre stieg der DAX zwischen Mai und September sieben Mal. Dreimal hingegen gab er in der Zeit nach. Dies spricht nicht für die Börsenweisheit.

 

Ebenfalls spricht gegen die Börsenregel, dass die Marktteilnehmer heutzutage einen im Vergleich zu früher viel effizienteren Zugriff auf den Aktienmarkt haben. Über das Internet lassen sich Kennzahlen und Informationen leicht recherchieren. Was früher nur für wenige Investoren möglich war, ist heutzutage für eine breite Masse zugänglich. Zudem kann über die neuen Broker eine Aktie innerhalb weniger Sekunden über das Smartphone ge- oder verkauft werden. So kann auf Marktänderungen sehr viel schneller reagiert werden.

Darüber hinaus entstehen bei jeder Transaktion in der Regel Kosten, die sich ebenfalls auf die Rendite auswirken.

 

"Hin und her macht Taschen leer"

 

Jeder Kauf und Verkauf schlägt mit Kosten zu buche. Selbst bei Gratis-Brokern gibt es versteckte Kosten in Form von größeren Spreads bei der Order-Ausführung. 

Ich persönlich versuche so wenig wie möglich an der Börse zu handeln. Käufe tätige ich nur wohl überlegt. Verkaufen tue ich Aktien unter normalen Umständen gar nicht. 

 

Persönlich hätte ich jedoch nichts dagegen, wenn die Kurse zwischen Mai und September fallen. Im Gegenteil würde ich mich über günstige Kaufgelegenheiten freuen. Denn sinkende Kurse bieten attraktive Kaufchancen.

 

Auf der anderen Seite gibt es auch einige Aspekte, die dafür sprechen, dass an der Börse etwas Luft abgelassen werden könnte in den nächsten Monaten. Von Joe Biden beabsichtigte Kapitalertrags- und Unternehmenssteuern oder steigende Zinsen seitens der Notenbanken aufgrund verbesserter Konjunkturdaten sind nur einige zu bedenkende Aspekte. Die zuletzt veröffentlichten Quartalszahlen der Big-Tech Unternehmen übertrafen die Erwartungen haushoch. Dennoch reagierten die Aktien kaum bis gar nicht. Es scheint als seien bereits die grandiosen Entwicklungen eingepreist, sodass es in naher Zukunft zu Rücksetzern kommen könnte. Das hat dann aber nichts mit der Börsenweisheit beziehungsweise dem Monat Mai an sich zu tun.

 

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