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Die Aktienblase wächst - Eigene Erfahrungen

Innerhalb des letzten Jahres hat eine Vielzahl von Menschen an die Börse gefunden. Der Konsum wurde aufgrund der Lockdowns heruntergefahren und das Geld konnte nicht ausgegeben werden. Restaurant- und Kinobesuche waren ebensowenig möglich, wie der jährliche Urlaub. 
Das Geld war bei vielen Haushalten dennoch vorhanden, sodass bei vielen die Überlegungen aufkamen, was mit dem Geld angestellt werden solle. 

Die Depoteröffnungszahlen der Broker zeigen, dass viele Menschen sich entschlossen haben, sich der Börse zuzuwenden und ihr vorhandenes Geld in Aktien zu investieren. In dem monotonen und langweiligen Corona-Alltag brachte das spekulieren und Zocken an der Börse etwas Abwechslung. 
Die Aktienqoute in Deutschland stieg spürbar an und auch die Mainstreamnachrichten begannen vermehrt über Aktien und vermeintlich lukrative Investmentideen zu berichten. 

Immer wieder wurden Rufe nach einer Blasenbildung laut. Und spätestens wenn die Verkäuferin beim Bäcker über ihre neuesten Aktienkäufe berichtet, sollte man hellhörig werden, so sagt man.
Zwar sind mir beim Brötchen kaufen bislang noch keine Investmentunterhaltungen untergekommen. 

Dafür war es aber auf dem Fußballplatz soweit. 😄

Während des Fußballtrainings begann plötzlich die Hälfte meiner Mannschaft sich über Aktien und Investmentmöglichkeiten zu unterhalten. Wo sonst über Fußball, die Arbeit oder die Familie gesprochen wurde, entbrannte plötzlich eine Diskussion über die eigene Geldanlage. Ich war erstaunt und überrascht. Plötzlich ging es um Kryptowährungen und Einzelaktieninvestments. 


Bitcoin sei eingebrochen, so ein scheiß (Wortwahl übernommen). Aber man bleibe weiterhin drin, das Geld brauche man eh nicht und es werde schon wieder steigen (ein Ansatz von Buy&Hold ^^). Bei den anderen Kryptowährungen sehe es aktuell ähnlich aus. 
Ein anderer habe TUI-Aktien gekauft in der Intention, dass diese wieder steigen würden, wenn der Tourismus wieder aufleben würde. Zu einem Kurs von 4€ sei man eingestiegen.

Ich spiele Fußball, seit ich fünf Jahre alt bin. In den 20 Jahren habe ich noch nie mitbekommen, dass sich auf dem Fußballplatz über Aktien unterhalten wurde. Na gut, dass man sich im Kindes- und Jugendalter nicht unbedingt über Aktien unterhält leuchtet ein. Aber in den sieben Jahren, die ich bereits im Seniorenbereich spiele, ist es ebenfalls noch nicht vorgekommen. Nicht einmal ansatzweise.

Entsprechend habe ich die Unterhaltungen interessiert verfolgt und mir meine Gedanken dazu gemacht. In meinem persönlichen Umfeld ist so gut wie niemand an der Börse und an Aktien interessiert. Natürlich wollte ich dann wissen, wie die Einstellung zur Börse und zum Vermögensaufbau aussieht und fragte nach, ob ein schneller Vermögensaufbau beabsichtigt sei. 

 

"Wer will das nicht?", bekam ich als Antwort zu hören. Davon, dass der Vermögensaufbau an der Börse ein langer Weg, ja ein Marathon ist, bekam ich nichts zu hören. Dass der schnellste Weg schnell arm zu werden der ist, zu versuchen schnell reich zu werden, behielt ich dann aber auch für mich. Zu groß war die Diskussion über die nächste Kursrakete, an der ich mich nicht beteiligte.

 

In den letzten Monaten sind viele neue Anleger an die Börse gekommen, was sehr zu begrüßen ist. Wir brauchen in Deutschland definitiv eine stärkere Aktienkultur, um dauerhaft Privatvermögen zu schaffen.

Allerdings sind viele der neuen Anleger unerfahren. Darüber hinaus haben sie falsche Vorstellungen und Erwartungen an die Börse und ihre Investments in Aktien. Entsprechend ist es wichtig, finanzielle Bildung zu vermitteln. Eine steigende Anzahl von Börsenneulingen, die ihr Geld in spekulative Investments stecken und nicht das erforderliche Mindset besitzen, um mit Krisen richtig umzugehen, kann sehr gefährlich werden.

 

 

 

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