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Knisternde Börsenstimmung

In meinen drei Jahren, die ich bislang an der Börse aktiv bin, habe ich gelernt, dass die Börse insbesondere Unsicherheiten und Unabwägbarkeiten nicht gerne mag. An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Wie werden die zukünftigen Unternehmensgewinne ausfallen und wie entwickeln sich die Unternehmen in den nächsten Jahren? Darum dreht sich letztendlich alles. Nicht sicher vorhersehbare Prognosen und Entwicklungen sind nicht gerne gesehen und wirken sich häufig auf die Kurse aus.


Liegen Damoklesschwerter über der Börse, die es undurchsichtig machen, Prognosen über die nächsten Monate abzugeben, steigt die Unsicherheit und die Möglichkeit von Kursrücksetzern steigt. Selbst miterlebt habe ich beispielsweise den unsicheren Ausgang der Präsidentschaftswahl in den USA. Lange Zeit war nicht absehbar, ob Donald Trump weiterhin Präsident bleiben oder mit Joe Biden ein neuer Präsident das Amt übernehmen würde. Entsprechende Unsicherheit herrschte während dieser Zeit auch an der Börse. Nachdem feststand, dass Biden der neue Präsident werden würde, zeigte sich die Börse in der Folge gefestigter.

Aktuell gibt es ebenfalls einige Faktoren, die für Unsicherheit sorgen. So wird mit Spannung erwartet, wie die Notenbanken sich hinsichtlich der Anleihekäufe positionieren. Die EZB hat jüngst verkündet, das monatliche Volumen der Anleihekäufe zu reduzieren bzw. besser gesagt minimal zu drosseln. Denn eine Abkehr von der lockeren Geldpolitik der Notenbanken bedeutet das noch lange nicht. Viele Börsianer befürchteten aber eine eben solche, nämlich eine spürbare Senkung der herrschenden Geldflut.

Mit der Entscheidung der EZB herrscht eine kleine Unsicherheit weniger an der Börse. Entsprechend atmete die Börse nach Verkündung der Entscheidung auf. 
Eine Entscheidung der FED, der amerikanischen Zentralbank, steht jedoch noch aus. 

Daneben sorgt weiterhin China für Unruhe und Ungewissheit an der Börse. Besser gesagt ist es die chinesische Regierung, die mit ihren Regulierungen Unternehmen vorschreibt, wie und ob sie Gewinne machen dürfen. Große Unternehmen wie Tencent und Alibaba werden von der Regierung gemaßregelt. Entsprechend sind die Kurse in den letzten Wochen und Monaten deutlich eingebrochen. Auf der anderen Seite sind die Unternehmen weiterhin enorm gewachsen und verglichen mit ihren amerikanischen Konkurrenten echt günstig bewertet. Wie weit geht der Regulierungswahn der chinesischen Regierung? Lässt sie wirklich ihre Aushängeunternehmen untergehen? Vorstellen kann man es sich eigentlich nicht wirklich, dennoch schwebt die Unsicherheit der Unberechenbarkeit der Regierung in der Luft.

Ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist der steigende Inflationsdruck. Nicht nur bei uns in Deutschland ist die Inflation deutlich stärker angestiegen als erwartet, auch in den USA sorgt eine höhere Inflation für Unsicherheit. In unserem Alltag ist die Teuerungsrate deutlich zu spüren in den letzten Monaten. Viele Güter des täglichen Lebens sind deutlich im Preis gestiegen, ohne dass eine entsprechende Steigerung der Löhne stattgefunden hat. Einhergehend mit der hohen Inflation sind Sorgen vor einem sich abkühlenden Wirtschaftswachstum.

In Anbetracht der Ungewissheiten, zeigt sich die Börse erstaunlich stark. In den letzten Monaten kannte sie nur eine Richtung. Die Kurse stiegen deutlich an und der  DAX erreichte nicht nur ein neues Allzeithoch, sondern knackte auch die 16.000 Punkte Marke. Doch mit steigenden Kursen in einem ungewissen Umfeld steigt auch die Gefahr für stärkere Rücksetzer. 

 

Um ehrlich zu sein, warte ich schon seit einiger Zeit darauf, dass die Kurse auf ein attraktives Kaufniveau fallen. Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen habe ich mich zuletzt mit Einzelkäufen zurückgehalten. Meine Watchlist ist gespickt mit Titeln, die ich gerne in meinem Depot hätte, deren Kurs mir aber regelrecht davongelaufen ist. Es bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich die Börse wenden wird.

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