· 

Microsoft, Unilever und Co. - Unternehmen nehmen ordentlich Geld für Übernahmen in die Hand

Übernahmen kleinerer Unternehmen oder einzelner Unternehmenssparten sind an der Börse Gang und gebe. Wenn das organische Wachstum eines Unternehmens nachlässt, bieten Übernahmen eine Möglichkeit, sich weiteres Wachstum hinzuzukaufen. Auf diese Weise können im besten Falle beabsichtigte Synergien erzeugt werden, sodass Übernahmen im Idealfall für alle Seiten von Vorteil sind.

Gleichzeitig soll dadurch zudem die Konkurrenz bereits bekämpft werden, wenn sie noch klein ist, um konkurrierende Unternehmen nicht groß werden zu lassen. Oft sind es gerade kleinere Unternehmen, die in einzelnen Bereichen besonders spezialisiert sind. Dieses besondere Know-How und die Expertise werden dann häufig von den Platzhirschen auf dem Markt aufgekauft. 

Übernahmen bedeuten für die Aktionäre der übernommenen Unternehmen oft deutliche Kursgewinne. Denn regelmäßig werden Preise, die deutlich über dem  aktuellen Wert liegen, gezahlt. Auf diese Weise sollen die Aktionäre von einem Verkauf überzeugt werden. Die Bezahlung des Kauf läuft in der Regel entweder durch eine Barzahlung ab, wenn das übernehmende Unternehmen über genügend liquide Mittel verfügt. Dies ist jedoch häufig nicht der Fall. Deswegen wird der restliche Teil meistens durch eigene Aktien bezahlt. Die Altaktionäre erhalten also für ihre Aktien neue Aktien des neuen Unternehmens.

 

In den letzten zwei Jahren kam es zu deutlich weniger Übernahmen. Schon gar nicht kam es zu solchen in höheren Milliardenbereichen. Der Grund ist natürlich die Corona Pandemie, die viele Unternehmen teuer zu stehen kommt, sodass diese sparsam mit ihrem Eigenkapital umgehen. Teure Übernahmen werden sich 2-3 überlegt und länger abgewogen.

Hinzukommt, dass die Big-Tech Unternehmen, wie Apple oder Alphabet, zwar über prall gefüllte Portokassen von mehreren zig Milliarden US Dollar verfügen. Allerdings sind diese auch schon seit Monaten ganz oben auf der Liste der Kartellbehörden, die aufgrund beherrschender Marktstellungen der Unternehmen mögliche Zerschlagungen prüfen. Eine milliardenschwere Übernahme eines Mitkonkurrenten würde da nicht zugunsten der Big-Techs sprechen. Außerdem wird jede Übernahme zuvor von den Kartellbehörden geprüft. So müssen Apple und Alphabet oder Meta sich bei der Übernahme von Konkurrenten zurückhalten.

Mit dem größten Übernahmeangebot seit Pandemie kam nun aber der Konsumgüterhersteller Unilever daher. Das Unternehmen ist in Deutschland insbesondere für seine Produkte wie Langnese und Ben&Jerry's Eis sowie Lipton Eistee bekannt.  
Unilever hat starkes Interesse an der Konsumgütersparte von GlaxoSmithKline und hierfür insgesamt 50 Milliarden Pfund geboten, was umgerechnet 60 Milliarden Euro sind. Durch die Übernahme der Konsumgütersparte möchte Unilever seine Präsenz im Hygiene- und Gesundheitsbereich sowie der Schönheitspflege erweitern. Zu den bekannten Marken von GlaxoSmithKline gehören unter anderen Sensodyne und Otriven.

 
Das Angebot wurde seitens GlaxoSmithKline jedoch als zu niedrig abgewiesen. Vielmehr wird ein Preis von 70 Milliarden Euro verlangt. 
Unilever selbst könnte weder aus dem Eigenkapital, noch mit eigenen Aktien den Kaufpreis bezahlen, sodass das Unternehmen für die Übernahme Fremdkapital aufnehmen müsste. Das bedeutet, dass die Verschuldung weiter steigen würde.
Hinzukommt, dass Unilever selbst ca. 110 Milliarden Euro an der Börse wert ist. Eine Übernahme für 70 Milliarden birgt ein hohes Risiko. Solch große Übernahmen können einem Unternehmen oft teuer zu stehen kommen, wenn Synergien nicht gehoben oder das zu übernehmende Unternehmen vor dem Kauf nicht ausreichend geprüft worden ist, wie die Übernahme von Monsanto durch Bayer zeigt. 

Ein weiteres Übernahmeangebot, dass die Börse hat aufhorchen lassen, kommt von Microsoft. Obwohl auch Microsoft zu den Big-Tech Unternehmen gehört, wird das Unternehmen bislang nicht mit Zerschlagungsforderungen in Verbindung gebracht. Bislang fliegt Microsoft unterhalb der Radare der Kartellbehörden und kann dies nun für sich nutzen. 

So will Microsoft das Gaming-Unternehmen Activision Blizzard übernehmen. Microsoft hat dafür 69 Milliarden US-Dollar in Cash geboten. Ein wirklich hoher Preis, den Microsoft problemlos mit Barmitteln begleichen kann.  
Nach Bekanntwerden des Übernahmeangebotes schoss die Aktie von Activision um knapp 30% nach oben. Erstaunlich ist jedoch, dass Microsoft einen Preis von 95$ pro Aktie geboten hat, der Kurs aber nur bis auf 85$ gestiegen ist und seitdem leicht sinkt. Das zeigt, dass der Markt noch nicht vollständig davon überzeugt ist, dass der Deal letztendlich durchgehen wird. Ob es dazu kommen wird, wird sich zeigen.

Microsoft, aus deren Hause unter anderem die Xbox entstammt, würde der Gaming-Entwickler Activision Blizzard gut zu Gesicht stehen. Spielereihen wie "Call of Duty", "Diablo" oder "World of Warcraft" erfreuen sich weltweit einer großen Anhängerschaft. Hinzukommt der aussichtsreiche Mobile Games Markt, in dem Activision unter anderem mit dem Klassiker "Candy Crush" aktiv ist.

 

 

 

Was denkt ihr über die beabsichtigten Übernahmen?

Kommentar schreiben

Kommentare: 0