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Die Börse sieht rot - Crash der Technologie-Aktien

Die Börse sieht rot. Die Kurse brechen teilweise deutlich ein. Insbesondere Technologie-Werte verlieren ordentlich an Wert. Bekanntestes Beispiel war zuletzt nach Veröffentlichung der Zahlen und künftigen Aussichten der Streaming-Anbieter Netflix, der um über 20% nachgab und damit innerhalb eines Tages die gesamten Kursgewinne der vergangenen anderthalb Jahre, also seit Beginn der Corona-Krise, wieder abgab. Eine wirklich bemerkenswerte Reaktion der Börse. Auf der anderen Seite kann ich den Abverkauf nachvollziehen. Netflix war einer der großen Gewinner der Pandemie. In Zeiten von Lockdowns und Quarantäne, haben sich viele für den Abschluss eines Netflix-Abos entschieden. Doch das Wachstum gerät ins Stocken, der Bedarf in den USA und Europa ist gesättigt. Hinzukommt die immer stärker werdende Konkurrenz mit Disney+, Amazon Prime und Apple TV+. Darüber hinaus kommen auf Netflix immer größere und teure Investitionen für weitere Inhalte hinzu. Netflix versucht dem schwindenden Kundenwachstum mit einer Erhöhung der Abo-Preise entgegenzuwirken. Doch auch das kann nicht immer so weiter gehen. Wie viel sind die Kunden schon bereit für ihr Abo zu bezahlen bevor sie es kündigen?

Der Technologieindex Nasdaq 100 gab in der letzten Woche 7,5% nach und fiel damit auf den tiefsten Stand seit Oktober 2021. Damit war es die verlustreichste Woche seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020. Viele von euch werden sich sicherlich noch gut daran erinnern, wie die Börsen innerhalb kürzester Zeit auf Talfahrt gingen. Aus Panik und Unsicherheit vor den Auswirkungen der Pandemie wurde alles massivst abverkauft. 

 

Doch im März 2020 erholten sich die Indizes fast genauso schnell, wie es zuvor abwärts ging. Ob es diesmal erneut so ablaufen wird, darf durchaus bezweifelt werden. In dem noch jungen Jahr weist der Nasdaq 100 bereits einen Verlust von 12 Prozent auf. 

 

In den letzte Monaten war es für gewöhnlich so, dass Kursabgaben bei einzelnen Unternehmen immer wieder als Einstiegs- bzw. Nachkaufmöglichkeiten genutzt und die Kurse so immer wieder stabilisiert wurden. Die durch die Notenbanken hervorgerufene Geldschwemme sowie der chronische Anlagemangel machten es möglich.

Nun sind nicht mehr nur einzelne Unternehmen betroffen, die abverkauft werden, sondern ganze Indizes, die tief ins rote drehen. Hinzukommt, dass auch die Big-Techs, die aufgrund ihrer hohen Marktkapitalisierung die Indizes zuletzt noch oben halten konnten, nun auch mehr oder weniger an Kurs nachgeben. 

Grund hierfür sind in erster Linie die immer wieder angesprochenen Zinsanhebungen der amerikanischen Notenbank. Kommuniziert werden bislang drei Anhebungen im Jahr 2022, fest gerechnet wird bereits mit vier Anhebungen und für möglich gehalten werden sogar fünf!! Anhebungen. 

 

Höhere Zinsen sorgen dafür, dass Anleger ihre Allokationen verschieben. Im Nullzinsumfeld stellen Zinspapiere keine Anlagealternative dar, da das Geld von der Inflation aufgefressen wird. So fließt das ganze Geld in den Aktienmarkt und sorgt dafür, dass die Kurse steigen. Anders hingegen, wenn die Zinsen wieder steigen und insbesondere risikoaverse Anleger, die nur aufgrund des Anlagenotstandes, ihr Geld an der Börse investiert haben, dieses von der Börse wieder abziehen. 

 

Ein weiterer Grund, weshalb insbesondere Technologie-Titel deutlich an Wert verloren haben liegt darin, dass diese Unternehmen ihre Investitionen häufig über Fremdkapital finanzieren. In Zeiten niedriger Zinsen stellt das kein Problem dar, da die Unternehmen das Geld beinahe zinslos erhalten. Doch wenn diese wieder steigen, kann es für die Unternehmen mit der Finanzierung schwierig werden. 

Durch die Zinserhöhungen soll der Inflation entgegengewirkt werden, um die Geschwemme wieder zu reduzieren. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass dem Markt Liquidität entzogen wird. 

 

Der DAX fiel heute zwischendurch auf unter 15.000 Punkte. Zudem waren alle Werte des deutschen Leitindex bei Börsenschluss im Minus. Nicht ein einziger Wert konnte eine positive Rendite aufweisen. Die nächsten Wochen und Monate werden auf jeden Fall spannend werden. Die erste Zinsanhebung ist für den März vorgesehen. Wie hoch diese ausfallen wird und wann mit den nächsten zu rechnen ist, bleibt abzuwarten.

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